Im August 2024 porträtiert die Berliner Morgenpost als erstes Medium den Mann, der seit Monaten mit einer ukrainischen Fahne und einer Bluetooth-Box in der Friedrichstraße steht. Autor Dirk Krampitz beschreibt Henry Lindemeier zunächst als Straßenbild: als eine jener auffälligen Erscheinungen, an denen man im Berliner Alltag vorbeigeht, bevor er fragt, wer dieser Mann eigentlich ist.
Der Text liefert die biografischen Grundlagen, die in allen späteren Berichten wiederkehren: Lindemeier ist Psychologe im Vorruhestand, hat lange für Unternehmen gearbeitet und widmet inzwischen einen Großteil seiner Zeit der Unterstützung der Ukraine, ideell und praktisch. Am Nachmittag nach dem Gespräch, so berichtet die Zeitung, holt er einen Transporter ab, der an die Front gebracht werden soll.
Bemerkenswert ist die Standortbegründung, die Lindemeier gegenüber der Morgenpost gibt. Er stehe nicht zufällig vor diesem Gebäude: „Ich will ja gerade die Russen erreichen, deshalb stehe ich genau hier“. Der Protest ist damit von Anfang an adressiert, nicht allgemein.
Bereits dieser frühe Text dokumentiert die Anfeindungen, die später Gegenstand von Strafanzeigen und Polizeieinsätzen werden. Lindemeier sagt der Zeitung, er zähle nicht mehr mit, wie oft er angespuckt werde, und beschreibt, dass körperliche Gewalt vor allem von Männern angedroht werde. Als Auslöser seines Protests nennt er die russischen Feierlichkeiten zum Kriegsende am 8. und 9. Mai 2022, bei denen er das Gedenken an die Kapitulation der Nationalsozialisten missbraucht sah.
Für die Chronologie ist der Artikel vor allem als Nullpunkt wichtig: Das Russische Haus selbst, seine Trägerschaft durch Rossotrudnitschestwo und die Sanktionsfrage spielen hier noch keine Rolle. Die Institution rückt erst in den späteren Berichten in den Vordergrund.