ANTWORTSEITEN · AKTUALISIERT 14. SEPTEMBER 2026
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RECHERCHE-DOSSIER

Russisches Haus Berlin

Antwortseiten · unabhängige Dokumentation
Schwan beim Abtransport Abtransport am Russischen Haus Weiteres Räumungsmotiv

Das Russische Haus leert sich.

Inventar wird aus dem Gebäude geschafft, Beschäftigte reisen ab. Der faktische Rückzug hat begonnen.

Darum geht’s:

Erst sie. Dann er.

Ein Beamter bringt Anette Klassen zu Boden. → Trümmerbruch im Handgelenk.

Henry Lindemeier will zu ihr. → Gegen die Wand geschleudert.

Die Polizei sagt: Erst sei er gestürzt, dann habe sie einen Beamten geschlagen.
Die Videos zeigen die andere Abfolge.

Das LKA ermittelt wegen Körperverletzung im Amt.

Videos · Chronologie · PolizeidarstellungZum vollständigen Dossier
Anette am Boden, ein Helfer beugt sich zu ihr. Links: der beteiligte Polizeibeamte.
Klassen am Boden, ein Helfer beugt sich zu ihr. Links: der beteiligte Polizeibeamte.
Anette Klassens Hand nach dem Einsatz in ärztlicher Behandlung.
Notärztliche Versorgung: Klassens Hand nach Polizeieinsatz.
Videoframe: Henry Lindemeier beim Polizeieinsatz vor dem Russischen Haus.Videoframe: Henry Lindemeier beim Polizeieinsatz vor dem Russischen Haus.Videoframe: Henry Lindemeier beim Polizeieinsatz vor dem Russischen Haus.Videoframe: Henry Lindemeier beim Polizeieinsatz vor dem Russischen Haus.Videoframe: Henry Lindemeier beim Polizeieinsatz vor dem Russischen Haus.
Er will seiner Freundin helfen – Polizei schleudert Henry Lindemeier gegen die Wand!

Die aktuelle Lage

Die Entscheidung

Deutschland kündigt das Abkommen

Nach dem Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig/Halle, für den die Bundesregierung Russland verantwortlich macht, kündigte Außenminister Johann Wadephul am 1. September das Ende des Tätigkeitsabkommens für das Russische Haus an. Zugleich stellte er weitere Maßnahmen gegen Russland vor. Während des Statements wurde der russische Botschafter, so Wadephul, ins Auswärtige Amt einbestellt.

Statement vom 1. September 2026, Ausschnitt Johann Wadephul · Ausschnitt phoenix-Statement, verbreitet via X/@HS_Akechi
Die Recherche

CORRECTIV legt die Strukturen offen

Am selben Tag erschien eine umfangreiche CORRECTIV-Recherche zum Russischen Haus und seinem Umfeld. Sie zeichnet nach, wie das Haus trotz der Sanktionierung von Rossotrudnitschestwo weiterarbeiten konnte – und welche politischen und institutionellen Verbindungen dabei eine Rolle spielten.

Hybride Kriegsführung

Das Russische Haus – Putins Enklave in Berlin

Spionage, Propaganda und Sanktionsverstöße: CORRECTIV rekonstruiert die Vorgänge im russischen Kulturinstitut und die jahrelange politische Zurückhaltung.

Alexej Hock, Silvia Stöber · 1. September 2026 →

Was man zum Russischen Haus wissen muss

Fünf Hintergrundfakten zur Einordnung – unabhängig vom Anlass der aktuellen Pressekonferenz.

  1. Nach dem Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig/Halle, für den die Bundesregierung Russland verantwortlich macht, hat sie das Tätigkeitsabkommen von 2011 gekündigt; das AA bestätigte am 2. September: „Diese Kündigung haben wir jetzt ausgesprochen.“
  2. Nach Artikel 12 läuft die Fünfjahresperiode mit Ablauf des 6. Juni 2027 aus; das Liegenschaftsabkommen von 2013 ist nicht berührt.
  3. Alle aus Russland entsandten Beschäftigten wurden zur Ausreise aufgefordert; eine Frist nannte das Auswärtige Amt öffentlich nicht.
  4. Am 8. September kehrte nach Angaben von Rossotrudnitschestwo eine erste Gruppe Beschäftigter unter Leitung der kommissarischen Direktorin Swetlana Nekrasova nach Moskau zurück; t-online berichtete am 9. September vom Abtransport der Einrichtung.
  5. Am 4. September eskalierte ein Polizeieinsatz gegen den Dauerdemonstranten Henry Lindemeier und seine Partnerin; sie erlitt nach Angaben der Betroffenen einen Trümmerbruch im Handgelenk, das LKA ermittelt laut t-online wegen Körperverletzung im Amt, die Polizei gegen beide wegen Widerstands beziehungsweise tätlichen Angriffs – und ihre Darstellung der Reihenfolge widerspricht dem Video.
Stand: 11.09.2026 · Belege auf den verlinkten Seiten

Was seit dem 1. September passiert ist

Innerhalb weniger Tage wurde aus der lange schwelenden Auseinandersetzung um das Russische Haus eine offene deutsch-russische Konfliktlage: politische Entscheidung, Polizeieinsätze, Ausreise des Personals und russische Gegenmaßnahmen.

1. September

Die Bundesregierung zieht die Konsequenz

Außenminister Johann Wadephul kündigt das Tätigkeitsabkommen für das Russische Haus und weitere Maßnahmen gegen Russland an.

4. September

Zwei Polizeieinsätze vor dem Russischen Haus

Ein erster Zugriff erfolgt am Nachmittag, eine zweite Eskalation später am Abend. Videos, Polizeidarstellung, Verletzungen und Ermittlungen werden Gegenstand eines eigenen Dossiers.

7.–8. September

Moskau antwortet – und Berlin leert sich

Nachdem Außenminister Sergej Lawrow die Schließung bereits in der Vorwoche angekündigt hatte, entzieht Russland dem Goethe-Institut und dem deutschen Generalkonsulat in St. Petersburg die Tätigkeitserlaubnis. Gleichzeitig verlassen die aus Russland entsandten Mitarbeiter des Russischen Hauses Deutschland.

8.–10. September

Der operative Betrieb endet

Svetlana Nekrassowa trifft in Moskau ein; Rossotrudnitschestwo inszeniert die Rückkehr. Nach Angaben von t-online stellt das Russische Haus seinen regulären Betrieb bereits jetzt ein.

11. September

Protest vor der deutschen Botschaft in Moskau

Russische Medien berichten unter Berufung auf TASS über eine Kundgebung gegen die Schließung des Russischen Hauses. TASS nennt rund hundert Teilnehmer, überwiegend junge Aktivisten, und dokumentiert die Aktion mit Foto- und Videomaterial. Ein Veranstalter wird in den Berichten nicht genannt.

Moskau reagiert

Die russische Antwort besteht nicht nur aus einer diplomatischen Gegenmaßnahme. Sie wird zugleich öffentlich inszeniert: mit der Schließung deutscher Kultureinrichtungen, der demonstrativen Heimkehr des Berliner Personals und Protestbildern aus Moskau.

7.–13. September · Goethe-Institut

„Ende einer Ära“

Russland entzieht dem Goethe-Institut in Moskau sowie den Einrichtungen in St. Petersburg und Nowosibirsk die Tätigkeitserlaubnis. 15 Mitarbeitende sichern die Bestände; allein in Moskau und St. Petersburg geht es um rund 13.500 Bücher.

8. September · Wnukowo

Die Heimkehr wird zur Nachricht

Die kommissarische Leiterin Svetlana Nekrassowa und weitere Rückkehrer werden in Moskau von Rossotrudnitschestwo-Chef Igor Tschaika und einem Medienaufgebot empfangen. Die Agentur verspricht neue Aufgaben für die Mitarbeiter.

8.–10. September · Berlin

Nationalhymne, Abtransport, geschlossene Türen

In Berlin verlassen beladene Fahrzeuge das Haus zu Klängen der russischen Nationalhymne. Mitarbeiter bringen Gegenstände und Ausrüstung aus Deutschland; der reguläre Betrieb endet.

11. September · Deutsche Botschaft Moskau

Protest gegen die Schließung

Rund hundert Teilnehmer, laut TASS überwiegend junge Aktivisten, demonstrieren vor der deutschen Botschaft. Einheitlich gestaltete Plakate stellen die deutsche Entscheidung als Angriff auf Kultur, Meinungsfreiheit und Demokratie dar. Ein Veranstalter wird in den Berichten nicht genannt; TASS dokumentiert die Aktion mit Foto- und Videomaterial.

Vier Dossiers

Vertiefung