Die Recherche von Lars Wienand ist der Punkt, an dem aus Einzelbeobachtungen eine Zahl wird. t-online dokumentiert, dass die Berliner Polizei im Jahr 2024 mindestens 33 Mal zum Russischen Haus kam, weil Lindemeier dort mit seiner Box stand. Ausgelöst wurden diese Einsätze durch Meldungen aus dem Haus.
Der zentrale Vorgang ist der 18. Dezember 2024. Lindemeier wird vor dem Russischen Haus festgenommen, in Handschellen abgeführt, vier Stunden in einer Sammelzelle festgehalten und erkennungsdienstlich behandelt. Der Vorwurf lautete Beleidigung und Ruhestörung in den Wochen zuvor, belegt war er nicht. Im Rahmen einer Fortsetzungsfeststellungsklage musste die Polizei anschließend formell einräumen, dass der Einsatz rechtswidrig war. Das ist die bislang einzige behördliche Bestätigung eines Fehlers in diesem Komplex.
Die Gegenüberstellung, die der Artikel vornimmt, ist bemerkenswert: Einen Tag vor der Festnahme hatte Lindemeier selbst die Polizei gerufen, weil ihm ein Besucher des Hauses gedroht hatte, er werde irgendwann ein Messer in den Rücken bekommen. Er wartete dreiviertel Stunden. Die Polizei kam nicht.
Diese Asymmetrie ordnen im Text zwei Anwälte ein. Patrick Heinemann nennt es seltsam, dass die Polizei „fortlaufend Quatsch“ nachgehe. Christian Wolf bringt das Missverhältnis auf eine Formel: „Bei einer gemeldeten Ruhestörung kommen manchmal drei Streifenwagen“, während bei der Bedrohung seines Mandanten niemand verfügbar gewesen sei.
Ergänzend dokumentiert t-online, dass Lärmmessungen nie durchgeführt wurden und eine Anzeige wegen Volksverhetzung sich auflöste, nachdem das LKA den beanstandeten Liedtext hatte übersetzen lassen.