Ein Jahr nach der rechtswidrigen Festnahme begleiten Sebastian Herrmann und Georg Ismar Henry Lindemeier an einem Tag, den er selbst „Großkampftag“ nennt: den 9. Dezember 2025. Die Reportage ist der bislang aufwendigste Text zum Thema und der einzige, der eine Taktik des Hauses in Echtzeit dokumentiert.
Der Vorgang: Für diesen Tag hatten die Betreiber des Russischen Hauses eine eigene Veranstaltung angemeldet. Lindemeier erfuhr davon in der Nacht zuvor. Die Polizei teilte ihm mit, seine Demonstration dürfe an diesem Tag nicht stattfinden. Etwa zwanzig Polizisten standen vor dem Eingang, seinetwegen. Sein Fazit am Abend, das die SZ zitiert, ist von knapper Bitterkeit: „Die Russen haben gewonnen“.
Die SZ trägt dazu den institutionellen Rahmen zusammen: 29.000 Quadratmeter, eröffnet 1984, eines der größten russischen Kulturinstitute weltweit, betrieben von der seit Juli 2022 sanktionierten Behörde Rossotrudnitschestwo. Kommerzielle Veranstaltungen dürften dort eigentlich nicht stattfinden. Der Text nennt die Ermittlungen der Berliner Staatsanwaltschaft wegen möglicher Verstöße gegen das Außenwirtschaftsgesetz sowie die Prüfung der Kameraüberwachung durch den Berliner Datenschutzbeauftragten.
Juristisch am gewichtigsten ist die Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 24. Juni 2025. Das Servicezentrum Finanzsanktionen der Bundesbank hatte sich 2023 geweigert, Rechnungen für das Russische Haus zu begleichen, weil die Höhe der Stromkosten auf einen wirtschaftlichen Betrieb und damit auf einen Sanktionsverstoß hindeutete. Das Russische Haus klagte und verlor. Wie der Strom seitdem bezahlt wird, lässt das Haus unbeantwortet.
Politisch dokumentiert die Reportage, dass die Forderung nach einer Schließung parteienübergreifend erhoben wird, von Robin Wagener für die Grünen ebenso wie von Roderich Kiesewetter für die CDU. Das Auswärtige Amt bleibt bei seiner Position, es gebe keine Handhabe.