Goethe-Institut – kein Druckmittel mehr

Die Bundesregierung schützt das Russische Haus mit dem Argument, eine Schließung gefährde die Goethe-Institute in Russland. Was ist davon noch übrig?

Das Argument der Bundesregierung: „Wir können das Russische Haus nicht schließen, sonst schließt Russland unsere Goethe-Institute." – Was davon ist noch wahr?
📍 Was von den Goethe-Instituten noch übrig ist +
  • Nowosibirsk: komplett geschlossen. Räumlichkeiten aufgegeben, nur noch eine Kontaktstelle.Forschung & Lehre, Mai 2023
  • Moskau: Keine regulären Präsenz-Sprachkurse mehr – nur noch Online-Angebote, Bibliothek und Prüfungen.Goethe-Institut, 2023
  • St. Petersburg: Noch Präsenzkurse – aber von drei Kursangeboten (Erwachsene, Teenager, Kinder) ist aktuell nur eines offen. Kinderkurse finden in der Bibliothek statt, nicht in Klassenräumen.Eigene Recherche, März 2026
  • Das russische Außenministerium führte eine Personalobergrenze für deutsche Organisationen ein – die Mitarbeiterzahl des Goethe-Instituts wurde von rund 200 auf 13 reduziert.Moskauer Deutsche Zeitung, Juni 2023
  • Das Goethe-Institut selbst spricht vom „Einreißen letzter zivilgesellschaftlicher Brücken".Goethe-Institut Pressemitteilung, Mai 2023
⚖️ Die Asymmetrie: Was Russland hat – was Deutschland hat +
  • Russisches Haus Berlin: 29.000 m², Restaurant, Kino, Konzerte, Sprachkurse, Buchladen – Vollbetrieb, als gäbe es keine Sanktionen
  • Goethe-Institut Russland: Personal von 200 auf 13 reduziert, Nowosibirsk geschlossen, Moskau ohne Präsenzkurse, St. Petersburg auf Sparflamme
  • Das Russische Haus operiert unter dem Schutz eines Vertrags und deutschen Steuergeldern – die Goethe-Institute operieren unter russischem Druck
  • Andere EU-Länder haben vergleichbare russische Institute längst geschlossen: Litauen, Polen, Tschechien, Schweden – ohne dass ihre Kulturinstitute in Russland geschlossen wurdenTAZ, April 2025
„Die spucken auf den Vertrag, und wir klammern uns an die Illusion eines kulturellen Austausches."
Robin Wagener, MdB (Grüne) – SZ, Dezember 2025
🎯 Russland nutzt das Goethe-Institut als Druckmittel +
  • Das russische Außenministerium drohte ausdrücklich mit Maßnahmen gegen das Goethe-Institut, falls die Kontensperrung des Russischen Hauses nicht aufgehoben wirdAuswärtiges Amt, Regierungspressekonferenz März 2023
  • Russland konstruiert die Drohkulisse also bewusst – und Deutschland lässt sich darauf ein
  • Das bedeutet: Wer das Russische Haus schützt, gibt Russland genau das Druckmittel, das es braucht
„Es kann nicht sein, dass diese Propagandabude auch noch Geld von uns bekommt und die Russen von dort ihren Informationskrieg gegen uns führen."
Robin Wagener, MdB (Grüne) – SZ, Dezember 2025
❓ Die entscheidende Frage +
  • Welche Brücke bauen wir eigentlich noch – in einem Land, das Europa destabilisiert, Dissidenten einsperrt und einen Angriffskrieg führt?
  • Wer geht heute noch ins Goethe-Institut Russland – und unter welchem Druck?
  • Ist ein Institut mit 13 Mitarbeitern, ohne Präsenzkurse in Moskau, wirklich die Grundlage für eine außenpolitische Entscheidung, die Russlands Propaganda-Zentrale in Berlin schützt?
Fazit Das Druckmittel-Argument der Bundesregierung ist faktisch ausgehöhlt. Die Goethe-Institute in Russland sind bereits auf ein Minimum reduziert – nicht durch deutsche Entscheidungen, sondern durch russischen Druck. Trotzdem läuft das Russische Haus in Berlin auf vollen Touren. Die Frage ist nicht mehr, ob wir etwas riskieren. Die Frage ist, warum wir es immer noch dulden.